Kylie Minogue - Disco

Nach ihrem Country-Werk „Golden“ schwingt sich Kylie Minogue wieder auf die Tanzfläche. Ihr neues Album lässt den Disco-Sound der 70er und 80er aufleben.  Mit ''Disco'' schlägt Australiens Pop-Export Nummer eins einen Bogen über den Dancefloor-Sound ihrer eigenen Karriere

Es ist ja schon ein wenig seltsam: Ausgerechnet im dem Jahr, in dem Tanzen nahezu überall außerhalb der eigenen vier Wände verboten ist, erscheint ein massentaugliches Dance-Pop-Album nach dem nächsten. Vor Ava Max und den zahllosen Hits auf Heaven & Hell gibt es schon lange kein Entkommen mehr, Lady Gaga kehrte nach Country- und Filmmusikexperimenten auf Chromatica zu dem Sound zurück, der sie einst berühmt machte und Dua Lipa lieferte mit Future Nostalgia wohl DIE Popplatte des Jahres ab. Und nun meldet sich auch die Frau, die schon vor knapp 20 Jahren wusste, dass “Your Disco Needs You”, mit einem äußerst schwungvollen Dutzend Songs zurück. Die Australierin Kylie Minogue kennt man in Deutschland vor allem wegen ihrer zwei zeitlosen und schon lange zurückliegenden Klassiker I Should Be So Lucky und Can’t Get You Out Of My Head, in der Heimat sowie in Großbritannien holt sie aber weiterhin eine Charts-Spitzenposition nach der nächsten rein. Zehn Jahre ist es her, da hat Kylie Minogue ein Rekrutierungsvideo veröffentlicht. Eine Armee von digital vermehrten Kylies marschierte stramm, um alle Couch-Potatos dieser Welt, die es sich gerade mit Kuschelrock-Flauschmusik bequem gemacht hatten, wachzurütteln: "Your Disco Needs You". Heuer, in einem Jahr, in dem die Tanzflächen so leer sind wie selten zuvor und in dem die Glitzerkugeln traurig einstauben, hat sich Minogue dieser Mission neu entsonnen. Und hat mit dem Album "Disco" Musik für die einsame Lockdown-Party nach dem Motto "Dancing On My Own" abgeliefert. Nach einem eh unterhaltsamen Ausflug in die Gefilde der Country-Musik 2018 mit sexy Fransen und High-Heel-Stiefel ist die australische Pop-Sängerin hier nun wieder ganz in ihrem Element. Sie hat sogar wieder jene Dauerwelle, trotz der ihr in den Anfängen ihrer Karriere pubertierende Burschen reihenweise heimlich verfallen sind. Die Songs auf "Disco" (Warner) sind allesamt von angemessener Wertschätzung der großen Zeit des Genres, der 70er und 80er, getragen. Obzwar Minogue sich als früher Fan von ABBA bezeichnet und die Lieder der Schweden als ewigen State of the Art einschätzt ("Wenn du einen ABBA-Song nimmst und in seine Einzelteile zerlegst, würdest du ihn wieder exakt genauso zusammensetzen. Man kann ihn nicht mehr verbessern"), klingt ihre neue CD weniger nach "Dancing Queen" als nach Donna Summer und Chaka Khan. Sogar eine Zeitreise ins legendäre Studio 54 unternimmt sie mit dem Song "Dancefloor Darling", Musik, die so klingt, wie ein Neontüllrock aussieht. "I Love It" wiederum kann man sich perfekt als Titelmelodie für eine 80er-Jahre-Krimiserie mit Schulterpolstern vorstellen. Der Geist von Giorgio Moroder muss auf so einer Platte natürlich auch durchwabern, er tut es bereits im Auftaktsong "Magic". In einem Interview hat Minogue - die die Songs im ersten Lockdown allein zuhause eingesungen hat - erzählt, dass sie immer, wenn die Produktion der Lieder zu sehr ins Elektronische oder Urbane abgleiten wollte, eingegriffen hat. Das Ergebnis ist nun ein Album, das kein Hehl aus seiner Nostalgie macht, keinen Aktualisierungstrends auf den Leim geht, aber trotzdem modern klingt.Auf Kylie Minogues "Disco" mag sich vielleicht kein so nachhaltig eingängiger Song finden, wie "Your Disco Needs You" oder gar "Can’t Get You Out Of My Head". Aber in unischeren Zeiten zählt die Gegenwart ohnehin mehr als die Zukunft. Und für die Zoom-Tanzparty eignet sich "Disco" einwandfrei. Also ruhig mal die Pailletten-Jogginghose anziehen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Tracklist

01. Magic
02. Miss A Thing
03. Real Groove
04. Monday Blues
05. Supernova
06. Say Something
07. Last Chance
08. I Love It
09. Where Does The DJ Go?
10. Dance Floor Darling
11. Unstoppable
12. Celebrate You


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